Stadt freut sich über Auszeichnung für Glasofen

Hochzeitszug aus der Grafschaft Wertheim ist „Immaterielles Kulturgut“

Der „Evangelische Hochzeitszug aus der ehemaligen Grafschaft Wertheim“ wird als „Gutes Praxisbeispiel“ in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes (IKE) aufgenommen. Die hohe Auszeichnung basiert auf der fachlichen Empfehlung eines unabhängigen Expertengremiums, das die Bewerbung aus Glasofen intensiv am Maßstab der UNESCO-Kriterien geprüft hat.

Beim Staatsministerium der Finanzen und für Heimat eingereicht hat die Bewerbung der Gesang- und Trachtenverein aus Glasofen. Deren 2. Vorsitzender Heinz Matschiner hat das 17 Seiten umfassende Formular im Bereich „Gesellschaftliche Bräuche, Fest und Rituale“ sehr detailliert ausgefüllt und die Tradition des Hochzeitszuges so erfolgreich beschrieben, dass er damit die Jury des Ministeriums überzeugen konnte.

„Unsere erfolgreiche Bewerbung war eine Gemeinschaftsproduktion“, betont Heinz Matschiner. „Neben Mitgliedern unserer Grafschafts-Trachtengruppe „die Glasflder“ aus Glasofen, interessierten Dorfbewohnern und Gewährspersonen sowie den Mitgliedern einer zum Zweck der Bewerbung gegründeten Arbeitsgruppe haben vor allem Volkskundlerin Ursula Wehner vom Grafschaftsmuseum Wertheim und Dr. Armin Griebel, der ehemalige Leiter der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, aktiv an unserer Bewerbung mitgearbeitet“, so Matschiner. Besonders sei auch, dass der Verein aus Glasofen nach seinem Wissen der erste Vertreter aus dem Landkreis Main-Spessart sei, der mit einer Kulturform ins Landesverzeichnis aufgenommen wurde. Auf die interessante Ausschreibung aufmerksam gemacht habe ihn Inge Albert vom Kulturamt der Stadt Marktheidenfeld.

Marktheidenfelds Erster Bürgermeister Thomas Stamm würdigte die Aufnahme „als eine große Ehre für den Gesang- und Trachtenverein aus Glasofen und seinen 1. Vorsitzenden Michael Müller sowie die ganze Stadt Marktheidenfeld.“ Er dankte dem bei der Bewerbung eingebundenen Team für ein „unermüdliches Engagement, das in herausragender Weise belohnt wurde.“

Die IKE-Auszeichnungsveranstaltung für die drei Preisträger – den Hochzeitszug aus Glasofen, die Kirwa in Amberg-Sulzbacher Land und das Neustadter Kinderfest in Oberfranken – wird turnusgemäß im Jahr 2024 stattfinden.

 

 

Der Gesang- und Trachtenverein Glasofen e.V.:

Die Pflege der überlieferten Bräuche und insbesondere der Trachten aus der Grafschaft sind in Glasofen ein wichtiger Bestandteil im Dorfleben. Diese Traditionen werden durch den Gesang- und Trachtenverein Glasofen e.V. und insbesondere durch die Grafschaftstrachtengruppe „Die Glasf’lder“ seit vielen Jahren gepflegt.

Die einzigartige Tracht der Grafschaft, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts getragen wurde, schafft Identität und die Glasofener – ob jung oder alt – sind stolz auf ihre Tracht. Die Grafschaftstracht ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Ein herausragendes Element ist dabei die Darstellung des evangelischen Hochzeitszuges aus der ehemaligen Grafschaft, speziell die des Kirchspiels Michelrieth. Zu der Grafschaft im heutigen Sprachgebrauch zählen neben Michelrieth auch die ehemals evangelischen Dörfer Glasofen, Altfeld, Oberwittbach, Kredenbach und Steinmark.

Anhand des Hochzeitszuges lassen sich Bräuche, Überlieferungen, Trachten und spezielle historische Handwerkstechniken öffentlichkeitswirksam darstellen. Zu Hochzeiten trug man schon früher die besten und prächtigsten Festtagskleider. Die aufwändige Ausstattung der Zugteilnehmer in den Festtagstrachten bis hin zu prächtigen Brautkrone, dem Hohen Kranz, brauchen keinen Vergleich zu scheuen und stehen bei öffentlichen Darstellungen meist im Vordergrund.

Die Grafschaftstrachtengruppe sieht ihre Aufgabe darin, das Brauchtum zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Dazu gehört neben Volkstanz, Bräuchen, Mundart und Originaltrachten auch die Weitervermittlung historischer Handwerkstechniken. Dies sind unter anderem Perlensticken und Stricken, das Herstellen von Glasschmuck und Hosenträgern, das Renovieren von Brautkronen und das Schneidern von Trachten.

Wichtig ist den „Trachtlern“ auch die Jugendarbeit, die in Glasofen seit über 35 Jahren in Form einer eigenen Kindertrachtengruppe geleistet wird.

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